Node-RED vs Home Assistant Automations — Was ist besser?

Node-RED oder die eingebauten HA-Automationen? Vergleich beider Ansätze mit Praxisbeispielen, Vor- und Nachteilen — und wann du was einsetzen solltest.

Home Assistant hat zwei Wege für Automationen: die eingebauten Automations (YAML oder UI) und Node-RED als visuellen Flow-Editor. Beide haben ihre Fans, beide ihre Berechtigung. Welcher passt besser zu deinem Setup und deinem Arbeitsstil?

In diesem Vergleich schauen wir uns beide Ansätze praxisnah an — mit konkreten Beispielen, Stärken, Schwächen und einer klaren Empfehlung.

Auf einen Blick

KriteriumHA AutomationsNode-RED
EinrichtungSofort verfügbarAdd-on installieren
OberflächeFormular-basiert oder YAMLVisueller Flow-Editor
LernkurveFlach (UI) bis mittel (YAML)Mittel (Konzept der Flows)
KomplexitätEinfache bis mittlere LogikBeliebig komplex
DebuggingTrace-Log (seit 2023)Echtzeit-Debug in Flows
BackupIn HA-Backup enthaltenSeparates Add-on-Backup
CommunityRiesig, HA-spezifischRiesig, plattformübergreifend
RAM-Verbrauch~0 (Teil von HA)~150-300MB extra

Home Assistant Automations — die eingebaute Lösung

Was ist das?

Das native Automationssystem von Home Assistant. Du erstellst Automationen entweder über den visuellen UI-Editor oder als YAML-Konfiguration. Seit den letzten großen Updates (Trace, Blueprints, Labels) ist das System deutlich mächtiger geworden.

Stärken

  • Kein Extra-Setup: Sofort verfügbar, kein Add-on nötig, kein zusätzlicher Ressourcenverbrauch
  • UI-Editor: Trigger, Bedingungen und Aktionen per Klick zusammenstellen — kein Code nötig
  • Blueprints: Fertige Automations-Vorlagen aus der Community importieren. Hunderte verfügbar auf der HA-Community-Seite
  • Trace: Seit 2023 gibt es detailliertes Debugging — du siehst genau welcher Schritt wann ausgeführt wurde, welche Daten geflossen sind, und warum eine Condition fehlgeschlagen hat
  • Im HA-Ökosystem: Alles an einem Ort, ein Backup, eine Oberfläche
  • Labels & Kategorien: Automationen organisieren, gruppieren und filtern
  • Script-Support: Wiederverwendbare Skripte, die von mehreren Automationen aufgerufen werden können

Schwächen

  • Komplexe Logik wird unübersichtlich: Verschachtelte if/else, Schleifen, dynamische Entscheidungen — das wird in YAML schnell zu einem unlesbaren Monster
  • Kein visueller Datenfluss: Du siehst nicht, wie Daten von A nach B fließen. Alles ist textbasiert, auch mit dem UI-Editor
  • Templates sind mächtig aber kryptisch: Jinja2-Templates können alles — aber {{ states('sensor.wohnzimmer_temperatur') | float(0) > 25 and is_state('binary_sensor.fenster', 'off') }} ist nicht gerade leserlich
  • Kein globaler State zwischen Automationen: Jede Automation ist isoliert. Für geteilten State brauchst du input_*-Helfer
  • Choose/If-Then-Else: Seit 2022 verfügbar, aber die YAML-Syntax dafür ist… gewöhnungsbedürftig

Praxisbeispiel: Licht bei Bewegung (einfach)

Über den UI-Editor:

  1. Neue Automation → Trigger: Zustandsänderung → Bewegungssensor → „on”
  2. Bedingung: Sonne → nach Sonnenuntergang
  3. Aktion: Licht einschalten → Warten 5 Minuten → Licht ausschalten

Als YAML:

automation:
  - alias: "Flur Licht bei Bewegung"
    trigger:
      - platform: state
        entity_id: binary_sensor.flur_bewegung
        to: "on"
    condition:
      - condition: sun
        after: sunset
    action:
      - service: light.turn_on
        entity_id: light.flur
        data:
          brightness_pct: 80
      - wait_for_trigger:
          - platform: state
            entity_id: binary_sensor.flur_bewegung
            to: "off"
            for: "00:03:00"
      - service: light.turn_off
        entity_id: light.flur

Einfach, klar, funktioniert. Für solche Standard-Automationen brauchst du definitiv kein Node-RED.

Praxisbeispiel: Adaptive Beleuchtung (mittel)

automation:
  - alias: "Adaptive Beleuchtung Wohnzimmer"
    trigger:
      - platform: state
        entity_id: binary_sensor.wohnzimmer_bewegung
        to: "on"
    condition:
      - condition: state
        entity_id: person.philipp
        state: "home"
    action:
      - choose:
          - conditions:
              - condition: time
                before: "06:00:00"
            sequence:
              - service: light.turn_on
                target:
                  entity_id: light.wohnzimmer
                data:
                  brightness_pct: 10
                  color_temp_kelvin: 2700
          - conditions:
              - condition: sun
                before: sunset
            sequence:
              - service: light.turn_on
                target:
                  entity_id: light.wohnzimmer
                data:
                  brightness_pct: 100
                  color_temp_kelvin: 4500
        default:
          - service: light.turn_on
            target:
              entity_id: light.wohnzimmer
            data:
              brightness_pct: 70
              color_temp_kelvin: 3000

Das funktioniert. Aber du siehst: bei drei Zeitfenstern wird der YAML schon lang. Bei fünf oder zehn wird’s unmanageable.

Node-RED — der visuelle Power-Editor

Was ist Node-RED?

Ein visueller Flow-Editor, ursprünglich von IBM für IoT-Anwendungen entwickelt. Läuft als Add-on in Home Assistant und kommuniziert über die Home Assistant Nodes direkt mit HA. Die Logik wird als „Flows” modelliert — Nachrichten fließen von Node zu Node.

Installation

  1. Einstellungen → Add-ons → Add-on Store
  2. Suche nach Node-RED
  3. InstallierenStarten
  4. „In der Seitenleiste anzeigen” aktivieren
  5. Web-UI öffnen → Editor erscheint

Die Home Assistant Nodes (Events, Services, States, etc.) sind vorinstalliert. Du kannst sofort loslegen.

Stärken

  • Visuelles Debugging: Du siehst in Echtzeit welche Nachrichten durch welche Nodes fließen — mit Payload, Timestamp und allem. Das ist unschlagbar beim Troubleshooting
  • Komplexe Logik leicht gemacht: Switch-Nodes, Function-Nodes, Delays, Loops, Rate-Limiting — alles visuell verständlich. Was in YAML 50 Zeilen braucht, ist in Node-RED ein übersichtlicher Graph
  • JavaScript-Power: In Function-Nodes kannst du beliebigen JavaScript-Code ausführen. Arrays sortieren, HTTP-Requests machen, Daten transformieren — keine Einschränkung
  • Subflows: Wiederverwendbare Logikblöcke. Einmal bauen, überall einsetzen
  • Plattformübergreifend: Node-RED kann auch mit MQTT, HTTP APIs, Datenbanken, E-Mail, Telegram — nicht nur HA
  • Riesiges Node-Ökosystem: Tausende zusätzliche Nodes via npm: Datenbank-Anbindung, Machine Learning, Bildverarbeitung, was du willst
  • Flow-Organisation: Tabs für verschiedene Bereiche (Beleuchtung, Heizung, Sicherheit), Kommentare, Gruppierung

Schwächen

  • Extra Add-on: Separater Prozess, zusätzlicher RAM (~150-300MB), separates Backup. Auf einem Raspberry Pi mit 2GB kann das eng werden
  • Zwei Orte für Automationen: Manche in HA, manche in Node-RED — das wird schnell unübersichtlich. Wo war nochmal die Waschmaschinen-Automation?
  • Nicht automatisch im HA-Backup: Node-RED-Flows werden über das Add-on-Backup gesichert, aber das muss aktiviert sein. Siehe unseren Backup-Guide
  • Overkill für einfache Automationen: „Bewegung → Licht an” braucht in Node-RED drei Nodes + Konfiguration. In HA ist das ein 3-Klick-Job
  • Lernkurve: Das Konzept von Flows und Messages muss man erstmal verstehen. Nicht schwer, aber auch nicht sofort intuitiv

Praxisbeispiel: Intelligente Heizungssteuerung (komplex)

In Node-RED als visueller Flow:

[Temperatur-Sensor] → [Switch: < 19°C?]
                          ↓ Ja
                    [HA: Fenster offen?] → [Ja: Heizung aus + Notify]
                          ↓ Nein
                    [HA: Jemand zuhause?] → [Nein: Auf 17°C absenken]
                          ↓ Ja
                    [Switch: Tageszeit?]
                       ↓ Morgens    ↓ Tagsüber    ↓ Abends    ↓ Nachts
                      22°C         20°C           21°C        18°C

                    [HA: set_temperature]

Das ist in Node-RED ein übersichtliches Diagramm auf einem Bildschirm. In HA-YAML wäre das 80+ Zeilen verschachtelter choose-Blöcke — und beim Debugging müsstest du dich durch den Trace klicken statt einfach den Flow zu beobachten.

Praxisbeispiel: Waschmaschinen-State-Machine

Eine echte State-Machine in Node-RED:

[Strom-Sensor]

[Switch: Watt-Bereich?]
     ↓ >50W              ↓ 5-50W              ↓ <5W (3min)
[State: LÄUFT]      [State: SPÜLEN]     [State: FERTIG]
     ↓                    ↓                    ↓
[flow.set: running]  [flow.set: rinsing]  [Benachrichtigung!]

                                         [flow.set: idle]

Mit flow-Variablen behält Node-RED den Zustand über die gesamte Lifetime. In HA brauchst du dafür input_select-Helfer und mehrere separate Automationen.

Feature-Vergleich im Detail

Debugging

FeatureHA AutomationsNode-RED
Ausführungs-Log✅ Trace (detailliert)✅ Debug-Node (Echtzeit)
Daten inspizierenTeilweise (Trace)✅ Jede Message sichtbar
Breakpoints❌ (aber Pause-Node)
Live-Monitoring✅ Nachrichten fließen sichtbar

Node-RED gewinnt beim Debugging klar. Aber HAs Trace ist seit 2023 deutlich besser geworden und reicht für 90% der Fälle.

Datenpersistenz

FeatureHA AutomationsNode-RED
Globaler Stateinput_* Helferflow.* / global.* Variablen
Über Neustart✅ (input_* persistent)❌ (flow/global gehen verloren)
DatenbankRecorder (SQLite)Eigene DB-Nodes möglich

HA-Automationen haben hier einen Vorteil: input_boolean, input_number etc. überleben Neustarts. Node-REDs Flow-Variablen nicht (es sei denn, du nutzt context-Storage mit File-Backend).

Wartbarkeit

SzenarioHA besserNode-RED besser
5 einfache Automationen
20 einfache Automationen
5 komplexe Automationen
Mix aus einfach + komplexKombi nutzenKombi nutzen

Performance-Vergleich

MetrikHA AutomationsNode-RED
RAM-Verbrauch~0 (Teil von HA)~150-300MB extra
Reaktionszeit<100ms<100ms
Max. AutomationenTausendeTausende
CPU bei IdleMinimalMinimal
Startup-ZeitSofort5-15 Sekunden

In der Praxis wirst du bei der Reaktionszeit keinen Unterschied merken. Der RAM-Verbrauch ist auf einem Raspberry Pi mit 2GB relevant — auf einer Proxmox-VM mit 4GB+ irrelevant.

Können beide zusammen laufen?

Ja — und das ist oft die pragmatischste Lösung:

  • Standard-Automationen in HA: Licht bei Sonnenuntergang, Bewegungsmelder, einfache Benachrichtigungen
  • Komplexe Logik in Node-RED: Multi-Sensor-Entscheidungen, API-Integrationen, State-Machines

Aber: Dokumentiere, welche Automation wo liegt. Nichts ist frustrierender als „warum geht die Heizung nicht an?” und dann sucht man 20 Minuten, ob es eine HA-Automation oder ein Node-RED-Flow ist.

Best Practice für Koexistenz

  1. Klare Trennung: Alle einfachen Automationen in HA, alle komplexen in Node-RED
  2. Namenskonvention: Node-RED-Flows mit Prefix (z.B. „NR: Heizungssteuerung”)
  3. Dokumentation: In Node-RED Kommentar-Nodes nutzen, in HA die Beschreibungsfelder
  4. Kein Ping-Pong: Nicht aus einer HA-Automation einen Node-RED-Flow triggern, der wiederum eine HA-Automation auslöst

Migration

Es gibt kein automatisches Migrationstool — aber die Migration ist in beiden Richtungen machbar:

HA → Node-RED

  1. Automation in HA identifizieren und deaktivieren (nicht löschen!)
  2. In Node-RED als Flow nachbauen
  3. Testen
  4. Wenn alles läuft: HA-Automation löschen

Node-RED → HA

  1. Flow-Logik in YAML oder UI-Editor übertragen
  2. flow-Variablen durch input_*-Helfer ersetzen
  3. JavaScript-Logik in Jinja2-Templates umschreiben (kann aufwändig sein)
  4. Testen und Node-RED-Flow deaktivieren

Genereller Tipp: Laufen lassen was läuft. Migriere nur wenn du einen konkreten Grund hast (z.B. Ressourcen sparen, Komplexität reduzieren, ein System konsolidieren).

Fazit

Für die meisten Leute reichen die eingebauten HA-Automationen. Der UI-Editor ist in den letzten Versionen richtig gut geworden, Blueprints sparen Zeit, Trace macht Debugging einfach, und du hast alles an einem Ort.

Node-RED lohnt sich, wenn du regelmäßig komplexe Logik mit vielen Verzweigungen brauchst, visuelles Echtzeit-Debugging schätzt, oder sowieso schon mit JavaScript arbeitest.

Die schlechteste Option: beides halbherzig nutzen und nicht mehr wissen, wo welche Automation liegt. Entscheide dich für einen Hauptweg und nutze den anderen nur für begründete Ausnahmen.

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