Tasmota vs ESPHome — Welche Firmware für dein Smart Home?

Tasmota oder ESPHome? Der große Vergleich: Installation, Konfiguration, Home-Assistant-Integration und wann welche Firmware die bessere Wahl ist.

Zwei Firmwares, ein Ziel: günstige Hardware smart machen. Tasmota und ESPHome sind die beiden großen Open-Source-Firmwares für ESP8266/ESP32-basierte Geräte. Aber welche ist besser? Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an, was du vorhast.

In diesem Vergleich schauen wir uns beide Firmwares im Detail an — Installation, Konfiguration, Integration, Performance — und sagen klar, wann du welche nehmen solltest.

Tasmota vs ESPHome auf einen Blick

KriteriumTasmotaESPHome
KonfigurationWeb-UI + KonsoleYAML-Dateien
InstallationWeb-Flasher / seriellESPHome Dashboard / CLI
UpdatesOTA über Web-UIOTA über Dashboard
HA-IntegrationMQTT (Auto-Discovery)Native API (schneller)
LernkurveFlacher EinstiegYAML-Kenntnisse nötig
FlexibilitätFertige TemplatesUnbegrenzt anpassbar
CommunityRiesig, viele ConfigsStark wachsend, gute Doku
Best fürFertiggeräte flashenDIY-Projekte bauen

Tasmota — Der Allrounder für fertige Geräte

Tasmota ist die ältere der beiden Firmwares und hat eine riesige Community. Ursprünglich für Sonoff-Geräte entwickelt, läuft es heute auf hunderten ESP-basierten Geräten.

Stärken

  • Plug-and-Play für fertige Geräte: Kaufst du einen Shelly, Sonoff oder ein Tuya-Gerät? Tasmota drauf flashen, WLAN konfigurieren, fertig. Templates für tausende Geräte auf templates.blakadder.com
  • Web-UI für alles: Kein YAML, kein Code. Alles über den Browser konfigurierbar — GPIO-Zuweisungen, MQTT, Timers, alles
  • MQTT out of the box: Tasmota spricht nativ MQTT — perfekt in Kombination mit Mosquitto in Home Assistant
  • Rules-System: Einfache Automationen direkt auf dem Gerät, ohne Home Assistant. Nützlich für Offline-Szenarien
  • Berry-Scripting (ESP32): Für komplexere Logik auf ESP32-Geräten — JavaScript-ähnliche Sprache direkt auf dem Chip

Schwächen

  • MQTT als Bottleneck: Die Kommunikation läuft über MQTT — das ist ein extra Hop verglichen mit ESPHomes nativer API. Spürbar bei zeitkritischen Automationen
  • Kein zentrales Management: Jedes Gerät hat seine eigene Web-UI. Bei 20+ Geräten wird das unübersichtlich — du musst jedes einzeln im Browser öffnen
  • Templates können veralten: Wenn ein Hersteller die Hardware ändert (passiert bei Tuya regelmäßig), passt das Template plötzlich nicht mehr
  • Weniger flexibel bei Custom-Sensoren: Eigene Sensor-Konfigurationen erfordern oft Workarounds

Wann Tasmota?

  • Du flashst fertige Geräte (Sonoff, Tuya, Shelly-Alternativen)
  • Du willst kein YAML anfassen — alles per Web-UI
  • Du brauchst MQTT für andere Systeme neben Home Assistant
  • Du willst Geräte ohne Home Assistant betreiben können (standalone mit Rules)
  • Du nutzt viele Tuya-basierte Geräte (Tasmota hat die größte Template-Datenbank)

ESPHome — Der Baukasten für DIY-Projekte

ESPHome verfolgt einen anderen Ansatz: Du beschreibst dein Gerät in einer YAML-Datei, ESPHome kompiliert daraus eine maßgeschneiderte Firmware. Das Ergebnis ist ein schlankes, genau auf dein Setup zugeschnittenes Binary.

Stärken

  • Native Home-Assistant-API: Direkte Verbindung, kein MQTT nötig. Schneller, zuverlässiger, und die Geräte tauchen sofort in HA auf — mit allen Entitäten, Diagnostik, Device-Info
  • YAML = Infrastructure as Code: Deine gesamte Gerätekonfiguration liegt in Dateien. Git-fähig, reproduzierbar, dokumentiert. Gerät kaputt? Neuen ESP flashen, gleiche Config → läuft
  • ESPHome Dashboard: Zentrale Verwaltung aller Geräte über eine Oberfläche. Status, Logs, Updates — alles an einem Ort
  • Unendlich erweiterbar: Custom Components, Lambda-Funktionen (C++), jeder erdenkliche Sensor. Wenn ein Sensor in ESPHome nicht nativ unterstützt wird, schreibst du einen Custom Component
  • Automatische Updates: Ein Klick im Dashboard → OTA auf alle Geräte. Kein Rumlaufen mit USB-Kabel

Schwächen

  • YAML-Kenntnisse nötig: Kein Weg drumrum. Wer YAML hasst, wird ESPHome nicht lieben. Einrückungsfehler → Kompilierfehler → Frust
  • Kompilierung dauert: Jede Änderung muss kompiliert werden (30-120 Sekunden). Bei Tasmota änderst du einen Wert in der Web-UI und klickst „Save”
  • Weniger Templates für fertige Geräte: ESPHome ist für DIY optimiert. Für Fertiggeräte musst du die GPIO-Belegung oft selbst herausfinden
  • Kein Standalone-Betrieb: ESPHome-Geräte sind auf Home Assistant angewiesen. Ohne HA: keine Steuerung (außer du baust dir Automationen per on_boot etc.)

Wann ESPHome?

  • Du baust eigene Sensoren und Aktoren (ESP32 + Sensoren)
  • Du willst die schnellste Verbindung zu Home Assistant
  • Du willst deine Konfiguration versionieren (Git) und reproduzierbar machen
  • Du magst Infrastructure as Code und deklarative Konfiguration
  • Du brauchst Custom Components für spezielle Hardware

Installation im Vergleich

Tasmota flashen

Der einfachste Weg — direkt im Browser:

  1. Gehe zu tasmota.github.io/install
  2. Gerät per USB anschließen (oder Tuya-Convert für Cloud-Geräte)
  3. Firmware wählen (Standard, Sensors, IR, etc.)
  4. Install klicken → warten → fertig
  5. WLAN konfigurieren über den Tasmota-AP
  6. Template für dein Gerät von templates.blakadder.com laden

Zeitaufwand: 5-10 Minuten pro Gerät.

ESPHome einrichten

  1. ESPHome Add-on in Home Assistant installieren (Add-on Store → ESPHome)
  2. Neues Gerät anlegen → Name, Board-Typ, WLAN-Daten
  3. YAML-Config schreiben (oder den Wizard nutzen)
  4. Install klicken → Firmware wird kompiliert und geflasht
  5. Gerät taucht automatisch in Home Assistant auf

Zeitaufwand: 10-20 Minuten beim ersten Mal (Kompilierung dauert), danach 5 Minuten pro Gerät.

Detaillierte Anleitung: ESP32 mit ESPHome in Home Assistant einbinden

Praxisbeispiel: Temperatursensor

Mit Tasmota

  1. ESP32 + DHT22 verkabeln (DATA an GPIO4)
  2. Tasmota flashen über Web-Flasher
  3. In der Web-UI: Configuration → Configure Module
  4. GPIO4 → DHT22 zuweisen
  5. MQTT konfigurieren (Broker-IP, User, Passwort)
  6. In Home Assistant: Sensor erscheint automatisch via MQTT Discovery

Ergebnis: Funktioniert. Aber du hast keine zentrale Config-Datei, und Änderungen erfordern den Besuch der Web-UI.

Mit ESPHome

sensor:
  - platform: dht
    pin: GPIO4
    model: DHT22
    temperature:
      name: "Wohnzimmer Temperatur"
      filters:
        - offset: -0.8
    humidity:
      name: "Wohnzimmer Luftfeuchtigkeit"
    update_interval: 60s

Kompilieren, flashen, fertig. Der Sensor taucht sofort in Home Assistant auf — ohne MQTT, ohne zusätzliche Konfiguration. Die Config ist versionierbar und reproduzierbar.

Ergebnis: Sauberer, schneller, wartbarer. Aber du musst YAML schreiben.

Können beide zusammen laufen?

Ja, absolut. Viele Leute nutzen beide — und das ist auch die pragmatischste Lösung:

  • Tasmota für fertige Geräte (Steckdosen, Schalter, Glühbirnen) — Template laden, läuft
  • ESPHome für eigene DIY-Projekte (Sensoren, LED-Streifen, Custom-Geräte) — volle Kontrolle

Beide laufen parallel in Home Assistant ohne Konflikte. Tasmota über MQTT, ESPHome über die native API. Kein Entweder-oder nötig.

Performance-Vergleich

MetrikTasmota (MQTT)ESPHome (Native API)
Latenz (Befehl → Ausführung)~50-200ms~10-50ms
Reconnect nach Neustart5-15 Sekunden2-5 Sekunden
RAM auf HA-ServerHöher (MQTT Broker nötig)Niedriger (kein Broker)
RAM auf dem ESP~30KB frei~40KB frei
VerbindungsstabilitätAbhängig von MQTT BrokerDirekte TCP-Verbindung
Firmware-Größe~600KB (Standard)~400-800KB (je nach Config)

ESPHome ist messbar schneller durch die direkte Verbindung. Für die meisten Anwendungen ist der Unterschied irrelevant — aber bei zeitkritischen Automationen (Bewegungsmelder → Licht) spürst du die 50-150ms weniger Latenz.

Fortgeschritten: Automationen auf dem Gerät

Beide Firmwares können einfache Logik direkt auf dem ESP ausführen — ohne Home Assistant.

Tasmota Rules

Rule1
  ON Switch1#state DO Power1 %value% ENDON
  ON Time#Minute=360 DO Power1 1 ENDON

→ Schalter steuert Relais, um 06:00 geht es automatisch an. Einfach, aber limitiert.

ESPHome Automations

binary_sensor:
  - platform: gpio
    pin: GPIO5
    name: "Taster"
    on_press:
      - light.toggle: led_strip
    on_double_click:
      - light.turn_on:
          id: led_strip
          effect: "Rainbow"

→ Einfacher Klick = Toggle, Doppelklick = Regenbogen-Effekt. Mächtiger und lesbarer als Rules.

Migration: Von Tasmota zu ESPHome (und umgekehrt)

Tasmota → ESPHome

  1. GPIO-Belegung aus der Tasmota-Config notieren
  2. Neues ESPHome-Gerät anlegen mit gleichen GPIOs
  3. Firmware flashen (über USB oder OTA, wenn der ESP genug Flash hat)
  4. MQTT-Einträge in HA aufräumen

ESPHome → Tasmota

  1. YAML-Config für GPIO-Belegung referenzieren
  2. Tasmota per OTA flashen (ESPHome unterstützt kein Tasmota-OTA — USB nötig)
  3. Template in Tasmota konfigurieren
  4. MQTT einrichten

Tipp: Migriere nur wenn du einen konkreten Grund hast. „Die andere Firmware ist vielleicht besser” ist kein Grund.

Fazit: Welche Firmware für wen?

Tasmota ist die richtige Wahl, wenn du:

  • Fertige Geräte flashen willst
  • Keinen Bock auf YAML hast
  • MQTT für mehrere Systeme brauchst
  • Standalone-Betrieb ohne HA willst

ESPHome ist die richtige Wahl, wenn du:

  • Eigene Hardware baust
  • Maximale Integration mit Home Assistant willst
  • Konfiguration als Code versionieren willst
  • Die schnellste Reaktionszeit brauchst

Die ehrliche Antwort: Nimm beide. Tasmota für die Steckdosen, ESPHome für die Bastelprojekte. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, und dein Smart Home muss es auch nicht sein.

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