
mmWave Präsenzmelder in Home Assistant einrichten
mmWave Präsenzmelder in Home Assistant: Sensoren wie Aqara FP2, FP300 und Sonoff SNZB-06P einbinden, Zonen planen und Licht zuverlässig steuern.
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Ein mmWave Präsenzmelder in Home Assistant löst ein Problem, das klassische PIR-Bewegungsmelder nie richtig loswerden: Du sitzt ruhig am Schreibtisch, liest auf dem Sofa oder liegst in der Badewanne, und nach ein paar Minuten geht das Licht aus. mmWave-Sensoren erkennen nicht nur Bewegung, sondern auch kleine Bewegungen einer anwesenden Person. Dafür brauchen sie mehr Planung als ein einfacher Türsensor.
mmWave Präsenzmelder Home Assistant: Wann lohnt sich das?
mmWave steht für Millimeterwellen-Radar. Der Sensor sendet ein Radarsignal aus und wertet Reflexionen aus. Dadurch erkennt er auch feine Bewegungen, etwa Atmung, Tippen am Laptop oder kleine Positionswechsel. Ein PIR-Sensor reagiert dagegen auf Wärmeänderung durch Bewegung. Das macht PIR perfekt für Flur, Treppe und Abstellraum, aber schwach in Räumen, in denen du lange still bist.
In Home Assistant lohnt sich mmWave vor allem für diese Fälle:
- Büro: Licht bleibt an, solange du am Schreibtisch sitzt.
- Bad: Lüfter oder Licht laufen nicht stumpf nach Timer, sondern nach echter Präsenz.
- Wohnzimmer: Szenen reagieren auf belegte Zonen, nicht nur auf Bewegung an der Tür.
- Schlafzimmer: Automationen dürfen vorsichtiger werden, weil Präsenz nicht gleich „gerade durchs Zimmer gelaufen“ heißt.
Für reine Personen-Anwesenheit im Haus bleibt eine andere Technik oft besser. Wenn du wissen willst, ob dein Smartphone zuhause ist, lies die ESP32 BLE Anwesenheitserkennung in Home Assistant. mmWave beantwortet eher: „Ist gerade jemand in diesem Raum oder Bereich?“
Drei Sensor-Klassen: FP2, FP300 und günstige Zigbee-Modelle
Der Markt ist unübersichtlich, weil Hersteller „Presence“, „Motion“, „Human Sensor“ und „Radar“ nicht sauber trennen. Für Home Assistant kannst du grob in drei Klassen denken.
Aqara FP2: Zonen für einen ganzen Raum
Der Aqara Presence Sensor FP2 ist die interessante Wahl, wenn du einen Raum in mehrere Bereiche aufteilen willst. Aqara nennt bis zu 40 m² Raumabdeckung, bis zu 30 Zonen und Mehrpersonen-Erkennung. In Home Assistant wird der FP2 typischerweise über die HomeKit-Controller-Integration eingebunden, nicht über Zigbee. Das ist wichtig: Er hängt per WLAN im Netz und braucht dauerhaft USB-C-Strom.
Preislich liegt der FP2 meist bei ca. 68 Euro (Stand: Juli 2026). Für ein kleines Bad ist das übertrieben. Für Wohnzimmer, Küche mit Essbereich oder Arbeitszimmer kann er sinnvoll sein, weil du mehrere virtuelle Bereiche aus einem Sensor bekommst.
Aqara FP300: flexibler, aber weniger Zonen-Fokus
Der Aqara Presence Multi Sensor FP300 kombiniert PIR, mmWave, Helligkeit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Laut Aqara läuft er mit zwei CR2450-Batterien bis zu drei Jahre im Zigbee-Modus oder bis zu zwei Jahre im Thread-Modus. Er unterstützt Zigbee und Thread, wobei Thread in Home Assistant Matter und einen passenden Thread Border Router voraussetzt.
Der FP300 kostet ca. 49 Euro (Stand: Juli 2026). Ich würde ihn eher dort einsetzen, wo kein USB-Kabel liegen soll und du zusätzlich Temperatur oder Luftfeuchte brauchen kannst. Er ist nicht der FP2-Ersatz für komplexe Raumzonen, sondern eher ein komfortabler Multisensor mit Präsenzlogik.
Sonoff SNZB-06P: günstiger Zigbee-Einstieg
Der Sonoff SNZB-06P ist der pragmatische Einstieg, wenn du Zigbee schon sauber betreibst. Sonoff gibt Zigbee 3.0, USB-C mit 5 V/1 A, drei Empfindlichkeitsstufen und bis zu 4 m Erkennungsdistanz an. In Zigbee2MQTT werden unter anderem occupancy, occupancy_timeout, occupancy_sensitivity und illumination exposed.
Der Preis liegt grob bei ca. 20 bis 30 Euro (Stand: Juli 2026). Dafür bekommst du keine FP2-Zonen, aber eine einfache Präsenz-Entität. Für Bad, Gäste-WC oder einen einzelnen Schreibtischbereich reicht das oft.
Einbindung in Home Assistant
Die Einbindung hängt weniger vom Begriff „mmWave“ ab als vom Funkweg.
Beim FP2 richtest du den Sensor zunächst so ein, dass er im WLAN erreichbar ist. Danach darf er nicht dauerhaft an Apple Home gebunden bleiben, wenn Home Assistant ihn direkt steuern soll. Die HomeKit-Controller-Integration kann HomeKit-Geräte lokal übernehmen; HomeKit-Geräte können aber nur mit einem Controller gleichzeitig gekoppelt sein. Praktisch heißt das: Pairing-Code aufheben, Gerät falls nötig aus Apple Home entfernen oder zurücksetzen, dann in Home Assistant über „Gerät hinzufügen“ koppeln.
Bei Zigbee-Sensoren wie dem SNZB-06P brauchst du zuerst einen stabilen Coordinator und entweder ZHA oder Zigbee2MQTT. Wenn du noch zwischen beiden schwankst, hilft der Vergleich Zigbee2MQTT vs. ZHA. Der Sensor sollte am finalen Ort angelernt werden, nicht direkt neben dem Coordinator. mmWave ist empfindlich genug, dass eine falsche Position später mehr Ärger macht als das Pairing selbst.
Beim FP300 hängt die Entscheidung am gewünschten Protokoll. Zigbee ist für viele Home-Assistant-Setups der einfachere Weg. Matter over Thread ist spannend, aber du brauchst einen Thread Border Router, zum Beispiel Home Assistant Connect ZBT-2 mit OpenThread Border Router, einen HomePod mini oder einen Nest Hub. Außerdem müssen Matter-Geräte, Border Router und Home Assistant sauber per IPv6 und mDNS im lokalen Netz kommunizieren. VLAN-Spielereien machen das schnell unnötig schwer. Wenn du Thread grundsätzlich einordnen willst, lies vorher Thread und Matter mit Home Assistant.
Platzierung: Der wichtigste Teil
mmWave-Sensoren sehen anders als PIR-Sensoren. Sie können ruhende Personen erkennen, aber sie reagieren auch auf Dinge, die du nicht als „Person“ empfindest: Ventilator, Vorhang, Haustier, Saugroboter, manchmal sogar Bewegung in angrenzenden Bereichen, wenn der Sensor zu aggressiv eingestellt ist.
Plane zuerst den Raum:
- Was soll sicher erkannt werden?
- Was darf auf keinen Fall triggern?
- Gibt es Türen, Spiegel, Glasflächen, Heizkörper oder Ventilatoren im Sichtfeld?
- Brauchst du Zonen oder reicht eine einzige Präsenzmeldung?
Für den Schreibtisch platzierst du den Sensor so, dass er auf Oberkörper und Sitzbereich zeigt, nicht auf den Flur hinter dir. Im Bad ist eine seitliche Montage oft besser als frontal zur Tür, weil der Sensor sonst beim Vorbeigehen auslöst. Im Wohnzimmer lohnt sich beim FP2 eine Wandposition mit sauberem Blick auf Sofa, Essplatz und Laufwege.
Starte mit niedriger bis mittlerer Empfindlichkeit. Wenn die Automation zu früh ausschaltet, erhöhst du zuerst den Timeout, nicht sofort die Empfindlichkeit. Wenn sie ohne Person aktiv bleibt, reduzierst du Reichweite oder blendest Störbereiche aus.
Automation: Licht an, aber nicht nervös
Eine einfache Lichtautomation mit Präsenzmelder sollte zwei Dinge vermeiden: Flackern bei kurzen Statuswechseln und Einschalten bei genug Tageslicht. Nutze deshalb Helligkeit und einen klaren Ausschalt-Timeout.
alias: "Büro Licht nach Präsenz"
mode: restart
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.buero_praesenz
to: "on"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.buero_helligkeit
below: 80
action:
- service: light.turn_on
target:
entity_id: light.buero_decke
data:
brightness_pct: 70
Für das Ausschalten nimmst du eine zweite Automation mit for, damit ein einzelner kurzer Aussetzer nicht sofort alles dunkel macht.
alias: "Büro Licht aus nach Abwesenheit"
mode: single
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.buero_praesenz
to: "off"
for: "00:03:00"
action:
- service: light.turn_off
target:
entity_id: light.buero_decke
Wenn du ohnehin mit dynamischem Licht arbeitest, kombiniere mmWave mit adaptiver Beleuchtung in Home Assistant. Der Präsenzmelder entscheidet dann nur, ob der Raum belegt ist; Helligkeit und Farbtemperatur kommen aus deiner Lichtlogik.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist zu viel Sensor für einen kleinen Raum. Ein FP2 im Gäste-WC ist technisch möglich, aber unnötig kompliziert. Ein einfacher Zigbee-Präsenzmelder reicht dort eher.
Der zweite Fehler ist eine zu aggressive Empfindlichkeit. mmWave kann durch dünne Materialien und ungünstige Winkel mehr sehen, als du erwartest. Wenn der Sensor „immer an“ bleibt, ist das nicht automatisch ein Defekt. Prüfe Ventilator, Vorhang, Haustierzone, Türspalt und Reichweite.
Der dritte Fehler ist ein fehlender Fallback. Für Licht ist es sinnvoll, weiterhin einen Wandtaster oder Dashboard-Schalter zu behalten. Eine Präsenzautomation soll Komfort bringen, nicht die einzige Möglichkeit sein, den Raum zu bedienen.
FAQ
Ersetzt ein mmWave-Präsenzmelder jeden Bewegungsmelder?
Nein. In Flur, Treppe oder Abstellraum ist PIR oft schneller, günstiger und sparsamer. mmWave lohnt sich dort, wo Menschen längere Zeit still bleiben.
Funktioniert mmWave mit Batterien?
Teilweise. Der FP300 zeigt, dass Hybridgeräte mit Batterie möglich sind. Viele klassische mmWave-Sensoren brauchen aber dauerhaft Strom, weil Radar mehr Energie benötigt als ein einfacher PIR-Sensor.
Ist mmWave datenschutzfreundlicher als eine Kamera?
Ja, wenn es nur um Präsenz geht. Ein mmWave-Sensor liefert Zustände, Zonen oder Bewegungsdaten, aber kein Bild. Trotzdem solltest du offen dokumentieren, welche Räume Präsenzsensoren nutzen.
Welche Integration ist am einfachsten?
Wenn du Zigbee schon nutzt, ist ein Zigbee-Modell wie der SNZB-06P meist am schnellsten eingebunden. Der FP2 ist stärker bei Zonen, braucht aber WLAN/HomeKit-Controller-Setup. Matter-over-Thread ist interessant, setzt aber einen sauberen Thread-Unterbau voraus.
Empfehlung
Für einen einzelnen kleinen Raum reicht ein günstiger Zigbee-Präsenzmelder. Für ein Arbeitszimmer oder Bad ist der Sonoff SNZB-06P ein guter Start, wenn du mit gelegentlichem Feintuning leben kannst. Für große Räume mit mehreren Bereichen ist der Aqara FP2 deutlich spannender, weil du Zonen statt nur „anwesend/abwesend“ bekommst. Den FP300 würde ich wählen, wenn du kabellos bleiben willst und die Zusatzwerte Temperatur, Luftfeuchte und Helligkeit sinnvoll in Automationen einbaust.
Kauf nicht sofort fünf Stück. Nimm einen Sensor für den schwierigsten Raum, platziere ihn sauber und beobachte eine Woche lang die Zustände in Home Assistant. Erst wenn die Automation nicht mehr nervt, lohnt sich der Ausbau auf weitere Räume.


