
PV-Überschussladen mit Home Assistant und evcc
PV-Überschussladen mit Home Assistant und evcc: Shelly Pro 3EM als Netzzähler nutzen, connect.solar einbinden und Ladegrenzen sicher einstellen.
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Beim PV-Überschussladen mit Home Assistant und evcc soll das Auto genau die Leistung aufnehmen, die am Netzanschlusspunkt übrig bleibt. In diesem Setup misst ein Shelly Pro 3EM v2 den Netzfluss, Home Assistant reicht dessen Leistungssensor an evcc weiter und evcc regelt eine Heidelberg beziehungsweise Amperfied Wallbox connect.solar per Modbus TCP. Hier richtest du diese Kette ein und stellst PV-Modus, Min+PV sowie sinnvolle Ladegrenzen ein.
So arbeitet das Setup
Der Netzzähler ist die entscheidende Rückmeldung im Regelkreis. Einspeisung bedeutet, dass Leistung für das Auto verfügbar ist; Netzbezug bedeutet, dass evcc die Ladeleistung reduzieren sollte. Die PV-Erzeugung allein reicht dafür nicht, weil sie weder den aktuellen Hausverbrauch noch andere große Verbraucher berücksichtigt.
Für diese Aufgabe eignet sich der Shelly Pro 3EM v2 direkt bei Shelly. Er misst drei Phasen mit Stromwandlern und stellt in Home Assistant unter anderem die aktuelle Gesamtleistung bereit. Shelly nennt für die Wirkarbeit eine Messgenauigkeit von einem Prozent; LAN ist zusätzlich zu WLAN vorhanden. Für die Laderegelung ist eine kabelgebundene Verbindung sinnvoll, falls sie am Verteiler verfügbar ist.
Die Heidelberg Wallbox connect.solar 11 kW bei Tink lässt sich über Modbus TCP von einem Energiemanagementsystem steuern. Sie wird in der aktuellen evcc-Dokumentation unter dem Markennamen Amperfied geführt. Das ist für die Gerätesuche wichtig: In evcc wählst du Amperfied Wallbox connect.solar, auch wenn auf deinem Gerät noch Heidelberg steht.
Das Setup ergänzt das Home Assistant Energy Dashboard, ersetzt es aber nicht. Das Dashboard wertet Energie über längere Zeit aus. evcc braucht dagegen fortlaufend die momentane Leistung am Netzanschlusspunkt und steuert damit aktiv die Wallbox.
Voraussetzungen und sichere Installation
Du brauchst eine laufende Home-Assistant-Instanz, evcc, eine PV-Anlage, einen dreiphasigen Netzzähler und eine per Netzwerk erreichbare connect.solar. Home Assistant und evcc müssen sich gegenseitig im lokalen Netz erreichen können. Vergib für Shelly, Wallbox und evcc DHCP-Reservierungen, damit ihre Adressen gleich bleiben.
Arbeiten im Verteiler und an 230/400 V gehören ausschließlich in die Hände einer Elektrofachkraft. Das betrifft den Einbau des Shelly, die Zuordnung und Ausrichtung der Stromwandler sowie Anschluss, Absicherung und Inbetriebnahme der Wallbox. Die Fachkraft muss außerdem prüfen, ob die Installation und die Schutzkomponenten zur Wallbox-Ausführung passen. Diese Anleitung beginnt bei der Softwarekonfiguration eines fachgerecht montierten Systems.
Für evcc ist die connect.solar eine sponsorengeschützte Integration. Du benötigst also einen gültigen evcc-Sponsortoken. Ohne ihn ist das vorgegebene Setup nicht dauerhaft nutzbar. Hinterlege den Token während der evcc-Einrichtung beziehungsweise in der Konfiguration; veröffentliche ihn nicht in Screenshots, Backups oder Forenbeiträgen.
Schritt 1: Shelly Pro 3EM v2 in Home Assistant prüfen
Die grundlegende Montage und Aufnahme in Home Assistant ist in der Anleitung Shelly 3EM mit Home Assistant einrichten ausführlich beschrieben. Für evcc zählt anschließend nicht der Energiezähler in kWh, sondern ein Leistungssensor in Watt, der alle drei Phasen am Netzanschlusspunkt zusammenfasst.
Öffne in Home Assistant Entwicklerwerkzeuge → Zustände und suche beim Shelly-Gerät nach der Gesamtwirkleistung. Die konkrete Entity-ID hängt vom Gerätenamen und der Version der Shelly-Integration ab, zum Beispiel:
sensor.shelly_pro_3em_total_active_power
Übernimm keine Beispiel-ID blind. Prüfe diese drei Punkte am echten Sensor:
- Der Zustand ist rein numerisch und die Einheit lautet W.
- Bei gleichbleibendem Hausverbrauch reagiert der Wert nachvollziehbar auf die PV-Leistung.
- Du kennst die Vorzeichenrichtung: Einspeisung und Netzbezug müssen eindeutig unterscheidbar sein.
Schalte zum Plausibilitätstest keine großen Verbraucher über Automationen. Vergleiche bei Tageslicht lediglich den Shelly-Wert mit Wechselrichter und Zweirichtungszähler. Ein vertauschter Stromwandler oder eine falsche Phasenzuordnung macht jede Überschussregelung unbrauchbar. Lass die Elektrofachkraft die Montage korrigieren, falls die Werte nicht plausibel sind.
Schritt 2: Shelly-Leistung an evcc übergeben
Öffne in evcc Konfiguration → Geräte → Zusätzlichen Zähler hinzufügen und wähle als Hersteller Home Assistant. evcc sucht die Home-Assistant-Instanz im lokalen Netz und öffnet dort die Autorisierung. Weise anschließend dem Feld Leistung die zuvor geprüfte Shelly-Entität zu.
Home-Assistant-Entitäten müssen laut evcc einen rein numerischen Zustand liefern. Die Einheit steht in einem Attribut und darf nicht Bestandteil des Zustands sein. Zeigt evcc Bezug und Einspeisung verkehrt herum, kannst du in der Gerätezuordnung ein Minus vor die Entity-ID setzen:
-sensor.shelly_pro_3em_total_active_power
Speichere den Zähler als Netz- beziehungsweise Grid-Meter und ordne ihn unter Konfiguration → Allgemein → Netz dem Standort zu. Im Energieflussdiagramm sollte ein positiver Hausverbrauch nicht plötzlich als zusätzliche Einspeisung erscheinen. Prüfe das vor dem Anschließen des Autos noch einmal mit einem bekannten Verbraucher.
Der Umweg über Home Assistant ist hier bewusst gewählt: Home Assistant kennt den Shelly bereits und evcc kann dessen Entität als generische Messquelle nutzen. Für ein stabil laufendes System sollten Updates, Neustarts und Netzsegmentierung aber nicht dazu führen, dass Home Assistant dauerhaft zwischen Zähler und Laderegler ausfällt.
Schritt 3: connect.solar per Modbus TCP einbinden
Aktiviere Modbus TCP an der Wallbox gemäß deren Installationsunterlagen und notiere IP-Adresse sowie Modbus-ID. Die Netzwerk- und Elektroarbeiten sollten bei der Inbetriebnahme gemeinsam geprüft werden. In evcc fügst du danach unter Konfiguration → Geräte → Wallbox die Vorlage Amperfied Wallbox connect.solar hinzu.
Trage die IP-Adresse der Wallbox ein. Modbus TCP verwendet standardmäßig Port 502; die Geräte-ID ist ein eigenes Feld und darf nicht mit der letzten Stelle der IP verwechselt werden. Prüfe die Modbus-ID in der evcc-Vorlage und in deiner Wallbox-Konfiguration, da die Werte abweichen können. Verwende den tatsächlich in deiner Wallbox eingestellten Wert statt einen Wert aus einem Beispiel zu kopieren.
Falls du Geräte noch per Datei verwaltest, sieht der relevante Block grundsätzlich so aus:
chargers:
- name: connect_solar
type: template
template: amperfied-solar
modbus: tcpip
id: 1
host: 192.168.178.60
port: 502
Passe IP und ID an dein Netz an. Prüfe die Datei danach mit evcc checkconfig und starte evcc neu. Lege anschließend einen Ladepunkt an und weise ihm die connect.solar zu.
Schritt 4: PV, Min+PV und Ladegrenzen einstellen
Beginne mit einem niedrigen Risiko: Auto anstecken, in evcc kurz Schnell wählen und prüfen, ob Start, Stopp, Leistung und Zählerwerte ankommen. Wechsel danach auf PV. Dieser Modus startet erst bei ausreichendem Überschuss, regelt die Ladeleistung nach und pausiert bei fehlender Leistung. Ausschlaggebend ist der Netzzähler, nicht der PV-Sensor.
Im Modus Min+PV startet evcc sofort mit der eingestellten Mindestleistung. Reicht die Sonne nicht, kommt die Differenz aus dem Netz; bei Überschuss erhöht evcc die Leistung. Das passt zu Fahrzeugen, die häufige Ladeunterbrechungen schlecht vertragen, und zu Tagen mit schnell wechselnder Bewölkung.
Stelle am Ladepunkt zunächst 6 A Mindeststrom und 16 A Maximalstrom ein, sofern Wallbox, Installation und Fahrzeug diese Werte zulassen. Bei 230 V entsprechen 6 A ungefähr 1,4 kW einphasig oder 4,1 kW dreiphasig. 16 A ergeben dreiphasig rund 11 kW. Ein niedrigeres Stromlimit im Fahrzeug oder in der Wallbox hat Vorrang.
Für die Start- und Stoppgrenzen ist die Standardregelung ein guter Ausgangspunkt. Wenn Wolken ständig kurze Ladezyklen erzeugen, wechselst du beim Ladepunkt unter Verhalten → PV-Überschuss von nur Sonne auf manuell. Eine Startverzögerung verhindert das Einschalten bei einer kurzen Wolkenlücke; eine längere Stoppverzögerung überbrückt kleine Leistungseinbrüche. Beobachte Netzbezug und Fahrzeugverhalten mehrere Tage, bevor du Schwellen aggressiver einstellst. Zu häufiges Stoppen kann dazu führen, dass einzelne Autos die Ladung nicht selbstständig wieder aufnehmen.
Setze zusätzlich eine Energiegrenze pro Ladevorgang, wenn du ohne Fahrzeug-API nur eine bestimmte Menge nachladen willst. Ein SoC-Limit funktioniert dagegen nur, wenn evcc einen verlässlichen Ladestand vom Fahrzeug erhält. Verwechsle beide Grenzen nicht: 10 kWh sind eine Energiemenge, 80 Prozent ein Ziel-Ladestand. Die Grenze schützt auch nicht vor einer falsch dimensionierten Elektroinstallation; deren zulässigen Ladestrom legt die Elektrofachkraft fest.
Die 1P/3P-Umschaltung bewusst behandeln
Die connect.solar unterstützt grundsätzlich eine automatische Phasenumschaltung. Damit könnte evcc schon ab etwa 1,4 kW einphasig laden und bei größerem Überschuss auf drei Phasen wechseln. Allerdings führt evcc für genau diese Wallbox eine bekannte Einschränkung auf: Die automatische 1P/3P-Umschaltung ist unzuverlässig und kann fehlschlagen.
Nimm das nicht als Komfortproblem. Teste die Umschaltung nur unter Aufsicht und prüfe nach jedem Wechsel den tatsächlichen Zustand in evcc und an Fahrzeug beziehungsweise Wallbox. Für einen berechenbaren Start setzt du die Phasenzahl am Ladepunkt fest auf 1 oder 3. Mit drei Phasen beginnt reines PV-Laden erst bei ungefähr 4,1 kW Überschuss; einphasig bleibt die Leistung nach oben entsprechend begrenzt.
Aktiviere die Automatik erst, wenn Firmwarestände aktuell sind, die Grundregelung stabil läuft und du das Verhalten mit deinem Fahrzeug geprüft hast. Wenn Umschaltungen scheitern, bleib bei einer festen Phasenzahl. Ein reproduzierbares Setup ist wertvoller als ein kleiner zusätzlicher Eigenverbrauchsanteil.
Typische Fehler systematisch eingrenzen
Zeigt evcc trotz Sonne Netzbezug, kontrolliere zuerst das Vorzeichen des Grid-Meters. Reagiert der Wert nur auf eine Phase, prüft die Elektrofachkraft Stromwandler und Shelly-Profil. Bei fehlender Wallbox-Verbindung prüfst du IP, TCP-Port, Modbus-ID und ob Port 502 zwischen den Netzsegmenten erreichbar ist.
Startet der PV-Modus nie, kann der Überschuss unter der Mindestladeleistung liegen. Bei einer Nulleinspeiseanlage ist das grundsätzlicher: evcc weist darauf hin, dass der PV-Modus nicht funktioniert, wenn der Netzzähler keinen Überschuss sieht. Min+PV kann zwar laden, bezieht ohne ausreichende Sonne aber Netzstrom.
Sichere nach einer funktionierenden Einrichtung Home Assistant und evcc. Die passende Vorgehensweise für Home Assistant findest du unter Home Assistant Backup erstellen und wiederherstellen. Dokumentiere zusätzlich die festen IP-Adressen, Modbus-ID, Entity-ID und Vorzeichenrichtung außerhalb der laufenden Systeme.
FAQ
Muss evcc als Erweiterung von Home Assistant laufen?
Nein. evcc kann auch auf einem Raspberry Pi, NAS oder anderen Rechner laufen. Für die hier genutzte Entitätsübergabe müssen Home Assistant und evcc lediglich im lokalen Netzwerk gegenseitig erreichbar sein.
Brauche ich neben dem Shelly einen PV-Sensor?
Für die reine Überschussregelung ist der Netzzähler entscheidend. Ein PV-Sensor verbessert die Darstellung und weitere Auswertungen, ersetzt aber nicht die Messung von Bezug und Einspeisung am Netzanschlusspunkt.
Was ist der Unterschied zwischen PV und Min+PV?
PV lädt nur bei genügend Überschuss und pausiert sonst. Min+PV lädt durchgehend mit mindestens der eingestellten Mindestleistung und ergänzt fehlenden Solarstrom aus dem Netz.
Funktioniert die automatische Phasenumschaltung zuverlässig?
evcc dokumentiert sie bei der Amperfied connect.solar ausdrücklich als unzuverlässig. Starte deshalb mit einer festen Phasenzahl und aktiviere die Automatik nur nach einem kontrollierten Test mit deinem Fahrzeug.
Fazit
Das Setup passt zu PV-Besitzern, die Shelly-Messwerte bereits in Home Assistant haben und ihre connect.solar lokal mit evcc regeln möchten. Der klare Datenweg macht Fehler gut auffindbar: erst Netzwert und Vorzeichen prüfen, dann Modbus, zuletzt die Ladeparameter. Wer keinen Sponsortoken nutzen möchte oder auf eine verlässlich automatische 1P/3P-Umschaltung angewiesen ist, sollte diese Kombination nicht einplanen. Mit fester Phasenzahl, konservativen Verzögerungen und sauber geprüftem Netzzähler ist sie dagegen eine nachvollziehbare Lösung fürs PV-Überschussladen.


